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Forschungsdatenbank
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Forschungsprojekt
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Projektleiter:
Dr. Katharina Schmitz, Elisa Anton, Dr. Susanne Tippmann, Dr. Dirk Wackernagel, Univ.-Prof. Dr. Eva Mildenberger
Evaluation des Kreißsaal-Bondings bei Patient:innen der Neonatologie – eine prospektive Beobachtungsstudie
Das sogenannte Kreißsaal-Bonding beschreibt den unmittelbaren Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenem direkt nach der Geburt oder nach initialer Stabilisierung, noch bevor das Kind auf eine neonatologischen Station verlegt wird.
Während dieser Hautkontakt bei gesunden Neugeborenen seit Jahrzehnten als Standardmaßnahme gilt, wird er bei Früh- und Risikogeborenen bislang nur selten umgesetzt. Gründe dafür sind primär Sicherheitsbedenken hinsichtlich der kardiorespiratorischen Stabilität, möglicher Wärmeverluste und des verzögerten Beginns intensivmedizinischer Maßnahmen.
Die wissenschaftliche Evidenz der letzten Jahre weist jedoch darauf hin, dass sofortiger Haut-zu-Haut-Kontakt auch bei Frühgeborenen mit einem Gestationsalter ab ≥ 28 + 0 SSW sicher und vorteilhaft ist, sofern die Maßnahme unter standardisierten Bedingungen erfolgt.
Internationale randomisierte Studien zeigen, dass der frühe Hautkontakt zu einer stabileren Körpertemperatur, konstanteren Vitalparametern und einer geringeren Stress- und Schmerzbelastung führen kann. Zudem sinkt das Risiko für neonatale Sepsis und die damit verbundene Mortalität signifikant.
Auch die mütterliche Seite profitiert: Durch die Stimulation der Oxytocinfreisetzung wird die Laktation gefördert, und das Risiko einer postpartalen Depression reduziert.
Darüber hinaus stärkt das unmittelbare Bonding die emotionale Verbundenheit zwischen Eltern und Kind sowie die mütterliche Selbstwirksamkeit nach einer Früh- oder Risikogeburt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die frühzeitige Initiierung der „Kangaroo Mother Care“ (KMC), einem Versorgungskonzept für Früh- und Neugeborene. Eine Komponente der KMC ist der frühzeitige und kontinuierliche Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Eltern und Kind, der, sofern klinisch möglich, bereits unmittelbar nach der Geburt begonnen werden soll.
An der Universitätsmedizin Mainz wurde auf Grundlage dieser Evidenz eine hausinterne SOP entwickelt, die Indikationen, Kontraindikationen, Sicherheitsmaßnahmen und den Ablauf des Kreißsaal-Bondings interdisziplinär festlegt. Die Prozedur des Kreißsaal-Bondings ist in der Sektion Neonatologie der Universitätsmedizin Mainz bereits seit einem Jahr etabliert.
Ziel der vorliegenden Studie ist es, das an der Universitätsmedizin Mainz implementierte Kreißsaal-Bonding bei Früh- und Neugeborenen wissenschaftlich zu evaluieren. Untersucht werden soll, wie häufig das Kreißsaal-Bonding bei neonatologischen Patient:innen durchgeführt oder unterlassen wird und welche organisatorischen und klinischen Faktoren die Durchführung beeinflussen.
Darüber hinaus sollen die klinische Durchführbarkeit und kardiorespiratorische Stabilität des Neugeborenen während des Kreißsaal-Bondings sowie mögliche Abbruchgründe analysiert werden.
Ergänzend werden die Zufriedenheit der Eltern und des Personals, die wahrgenommene Arbeitsbelastung des beteiligten Personals (mittels Fragebögen der NASA-TLX) sowie die postpartale Laktationsetablierung anhand der erfassten Milchmenge der Mutter untersucht. |
Laufzeit:
2026-2028
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